1.7 Die Deutsche Revolution 1918/19
Beginn der
Weimarer Republik
Im Hintergrund steht immer die Frage: Warum scheitert die erste deutsche Demokratie? Warum und wie gelingt es Adolf Hitler 1933, die Macht zu übernehmen?
Am 9.11.1918 beginnt in Deutschland der Kampf um die Staatsform. Denn an diesem Tag wird die Republik gleich 2 Mal ausgerufen, einmal von Philipp Scheidemann (siehe Video), der für eine demokratische Republik steht und einmal von Karl Liebknecht, der eine kommunistische Republik mit dem Vorbild Russlands möchte.
Philipp Scheidemanns Rede:
Es stehen sich also der Rat der Volksbeauftragten, deren Ziel eine parlamentarische
Demokratie ist, und der Großberliner Arbeiter und Soldatenrat, allen voran die kommunistisch gestimmte KPD (kommunistische Räterepublik ähnlich wie in Russland mit nur noch einer wählbaren
Partei, der KPD), gegenüber.
Die Entscheidung wird von vielen Machtfaktoren bestimmt, dazu zählen:
1. Parteien und Stimmung im Volk
2. Die bewaffnete Macht aus Teilen der alten Reichswehr, Adel, Freikorps, 3. Die bewaffnete Macht aus Arbeiter und Soldatenrat
4. Die Presse
5. die Kirchen
6. Industrie
7. Bürokratie
8. das Gerichtswesen.
Wo stehen die einzelnen Machtfaktoren und wie sind sie zu bewerten?
Schließlich wird 1919 gewählt.
Die Ergebnisse im Überblick:
Damit stand fest, dass die Deutschen mehrheitlich eine Demokratie wollten, da SPD, das Zentrum/BVP und die DDP sich dafür eingesetzt
hatten und zusammen ca. 80% der Wählerstimmen bekamen. Die KPD, die gar nicht erst angetreten war, da sie das System der parlamentarischen Demokratie grundsätzlich ablehnte, sowie alle anderen
Rechten erreichten ein Bruchteil der Stimmen. (Bei den späteren Wahlen nahm die KPD dann doch teil, ihr Stimmanteil blieb aber immer in der Nähe der 10%-Marke.)
Wie kam das zustande? Wie erklärt sich der Sieg der Demokratie (SPD, DDP, Zentrum)?
Die Gruppen (Machtfaktoren) im Einzelnen:
Für die Demokratie: Volk, im wesentlichen Arbeiter und Soldatenräte, das Kirchenvolk
Für den Kommunismus: Minderheit der Arbeiter und Soldatenräte und die KPD (aus dem Spartakus am 30. 1.1919 geründet)
Für die Monarchie (steht jedoch nicht OFFEN zur Auswahl bei den Wahlen:
- Die Industrie (6.), wählt aber aus Angst vor Enteignungen die demokratischen Parteien,
- das Gleiche beim Adel (2.), Teile der alten Reichswehr/adlige Offiziere (2.) und den Freikorps (2.),
- die hohen Kirchenfunktionäre (Bischöfe) (5.),
- die Bürokratie (7.)
- und das Gerichtswesen (8.), kommt aus dem Kaiserreich und fällen äußerst harte Urteile gegen linksradikale, lassen aber rechte Gewalttäter meist laufen (Gerichtsurteile)
- sowie die Presse abgesehen von der Parteipresse (4.) zeigen monarchische Gesinnungen.
Damit hat die Weimarer Republik von an Anfang Gegner von Links (an der Sowjetunion orientiert) und den Gegner von Rechts, die meist dem Kaiserreich und autoritären Staatsformen verbunden, zunächst aus Angst vor dem größeren Übel, dem Kommunismus, in der Demokratie mitspielen, aber mittel- und langfristig die Demokratie beseitigen wollen. Die erste Demokratie startet mit einer schweren politischen Bürde.